FDP.Die Liberalen
Seuzach
Ortspartei Seuzach
09.10.2016

Herbstevent der FDP Seuzach-Ohringen

Bier brauen in Stammheim am 8. Oktober 2016

An einem herbstlichen Samstagmorgen im Oktober bestieg eine Gruppe von freisinnigen Hobby-Brauern die S29 nach Unterstammheim. Die hohen Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden. Kurz nachdem der Betriebsleiter Markus Reutimann allen Teilnehmern die Hand geschüttelt hatte, ging es ans Eingemachte. Im Turnus drehten wir die Handkurbel der Schrotmühle und zerkleinerten so eineinhalb Kessel Malz, eine erste Fitnessübung für alle, die erst aufgestanden waren. Das Ziel war klar: Heute noch alle Verfahrensschritte ausführen, um 50l frisches Bier bis vor den Gärprozess zu führen. Die FDP Seuzach erhielt willkommene Verstärkung von Jan Fehr (Präsident der Jungfreisinnigen Winterthur) und Bettina Huber (Co-Präsidentin der FDP Wiesendangen). Das Schrot wurde nun zum sogenannten Einmaischen vorsichtig in ca. 60 Grad warmes Wasser eingerührt. Dabei waren wir bemüht, Klumpenbildung zu verhindern. Im Bottich fand anschliessend die Verzuckerung der Malzstärke statt, eine wichtige Voraussetzung für die spätere Alkoholgärung.
  

Parallel dazu stellten wir die Farbe mit Hilfe von geröstetem Getreide auf einen rötlichbraunen Ton ein. Nachdem der Braumeister entschied, dass der Zeitpunkt richtig war, begann die sogenannte Läuterung. Dabei wird der Malztreber, welcher als exzellenter Filterkuchen wirkt, von der Würze getrennt und später meist als Tierfutter verwertet. Die sogenannte Würze ist die Flüssigkeit, welche weiter zu Bier verarbeitet wird.
 

Nun wurde die Würze gekocht und während dem Kochprozess der Hopfen in der Form von Pellets zugegeben. Gibt man den Hopfen zu früh bei, so gehen beim Kochen wertvolle Geschmacksstoffe verloren.
  

Am Ende des Kochprozesses waren die ausgefallenen Eiweissflocken in der Würze sichtbar. Diese wurden nun im sogenannten Whirlpool getrennt. Der Whirlpool entsteht dadurch, dass im Bottich im Uhrzeigersinn ein Wirbel erzeugt wird. Am unteren Ende des Wirbels wird das Eiweiss gesammelt und bildet nach ein paar Minuten einen festen Kegel. Die Flüssigkeit konnte nun getrennt vom Eiweiss und klar in ein anderes Gefäss abgezogen werden. In diesem Zustand übergaben wir das werdende Bier unserem Braumeister, welcher in den kommenden 6 Wochen die Gärung und die weitere Reifung einleitet.
Die Wartezeiten wurden geschickt überbrückt, einmal an der Schnupfmaschine, wo sich ein paar Freiwillige einen hopfenhaltigen Schnupftabak die Nasenhöhlen hochschiessen liessen. Ein andermal besichtigten wir den Hopfengarten und informierten uns über den doch recht aufwendigen Anbau. Die Frage, für wie viel Liter Bier ein Hopfenstrang genügt, konnten nur 2 Teilnehmer annähernd richtig beantworten (1000 Liter) und ernteten damit gleich je eine Flasche Hopfentropfen. Alle andern lagen viel zu tief. Mit 165 Aaren baut Martin Reutimann zwar ca. einen Viertel der Schweizer Produktion an. Nebenan in Bayern bewirtschaften die Landwirte jedoch Flächen in der Grössenordnung von 50 Hektaren.

Auch die Verpflegung kam nicht zu kurz, meist mit einer Hopfennote gewürzt. Zwischendurch konnten wir unseren Wissensdurst (und auch den andern Durst) in unterhaltsamer Weise mit diversen Anekdoten über das Bier und seine Geschichte stillen, z.B. zum Ursprung des 500-jährigen deutschen Reinheitsgebotes. Am Ende übten wir uns noch im Bierhumpen-Curling, wo unser neues Vorstandsmitglied Jonathan Frei gleich zweimal den inneren Kreis traf.

Hopfentropfen in Stammheim ist die kleinste registrierte Brauerei in der Schweiz. Mit dieser Grösse könnte im Normalfall eine Brauerei mit reiner Bierproduktion bei uns nicht überleben. Eine beeindruckende Fülle an kreativen Ideen, ein fast unerschöpfliches Sortiment an Hopfenprodukten, welche von Kosmetik über Schnupftabak bis Whisky, Likör, Schnaps, Essig, Käse und Pasta reichen, sowie gut besuchte Gruppenanlässe hauchen dem dynamischen Familienunternehmen zusätzliches Leben ein. Ausser unserer Erinnerung an einen geselligen und dennoch lehrreichen Anlass und ein paar Hopfenprodukten nehmen wir auch einen Hauch unternehmerische Inspiration mit nach Hause. Unser selbstgebrautes Bier holen wir in 6 Wochen ab und freuen uns schon jetzt auf die Früchte unserer Braukunst.

Bernhard Brunner